Coronavirus und seine Folgen

Der Appell eines Hausarztes

Gastkommentar Dr. Jan Behrendt in der Tageszeitung

DER PATRIOT zum Coronavirus und seinen Folgen

Die Corona-Epidemie ist in aller Munde, viele geben Ratschläge, und ganz viele wissen nicht wirklich, was tun? Dr. Jan Behrendt, Hausarzt aus Esbeck, mit einer Einschätzung und Einordnung der Lage.

Lippstadt – Als Hausarzt in Lippstadt frage ich mich jeden Tag, wie wir als Praxis mit den täglich neuen Meldungen umgehen sollen, welche Konsequenzen wir in unserer Praxis für uns und für unsere Patienten ziehen sollen.

Was sind die Fakten, und wie können wir bestmöglich damit umgehen?

Die Corona-Virus-Epidemie verbreitet sich gerade über den gesamten Globus, Ländergrenzen gibt es für seine Ausbreitung nicht. Unsere Wissenschaftler lernen täglich, aber es gibt weiterhin viel Unbekannte.

Was wissen wir heute: Das Coronavirus verbreitet sich über Tröpfchen wie die Grippe, und es verbreitet sich über direkten Kontakt. Das heißt, es ist an uns, Tröpfcheninfektionen und Kontaktinfektionen soweit wie möglich zu reduzieren. Im praktischen Leben heißt das, Kontakt mit anderen Menschen soweit wie möglich vermeiden, vor allem keine Kontakte unter 1,5 Metern, und schon gar nicht in geschlossenen Räumen. Das schließt jede Gruppenversammlung aus, nicht erst ab 50, auch nicht ab 1000 Personen, wie wir mehrfach in der Presse lesen mussten. Tröpfchen beim Atmen, Sprechen und vor allem Niesen lassen sich durch trockene Schutzmasken reduzieren. Darum macht der Ratschlag, in Einmaltaschentücher zu husten und zu niesen auf jeden Fall Sinn. Bei unvermeidbaren Kontakten ist vermutlich eine Schutzmaske eine zusätzliche Sicherheit. Zur Vermeidung der Übertragung durch Kontakte sind allgemeine Hygieneratschläge einfach zu befolgen: Was immer Sie anfassen, ist möglicherweise infiziert, Händewaschen, und zwar mindestens 30 lange Sekunden reduzieren die Viruslast an Ihren Händen.

Wir wissen von anderen Ländern, die vor uns mit einer massiven Ausbreitung des Virus konfrontiert worden sind, was passieren wird. Kein Wissenschaftler hat bislang die geringste Hoffnung geäußert, dass es bei uns anders ablaufen könne. Das heißt, dass sich eine massive Ausbreitung nicht vermeiden lässt, und, dass, wenn wir nicht bessere Vorsorgemaßnahmen treffen als unsere Nachbarn, auch in Deutschland in kurzer Zeit das Medizinsystem an seine Grenzen gelangen wird. In Italien erkranken immer mehr Menschen, immer mehr müssen stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden und dort immer häufiger intensivmedizinisch behandelt werden, bis hin zur künstlichen Beatmung. Die Kapazitäten der Intensivmedizin sind lange überfordert, darum werden zunehmend normale Stationen in Isolationsstationen umgewandelt, um möglichst allen eine angemessene medizinische Behandlung zukommen lassen zu können. Für eine solche Menge an schwerkranken Patienten gibt es in Italien nicht genug medizinisches und pflegerisches Personal. In Deutschland werden wir sicher an die Grenzen unseres Systems gelangen, obwohl es sicher eines der besten ist.

Was also können wir heute tun?

Wir können alle dazu beitragen, dass sich das Coronavirus langsamer ausbreitet, und damit die Überlastung der Krankenhäuser weniger dramatisch wird.

Der zentrale Punkt ist im Moment die Reduktion der Virusverbreitung durch maximale Reduktion aller Übertragungen im privaten und auch beruflichen Leben.

Das betrifft nicht nur Personen, die corona-positiv getestet sind oder sich krank fühlen.

Nach einer Infektion durch das Coronavirus vergehen bis zu zwei Wochen, bevor der Patient Krankheitssymptome zeigt. Und diese Krankheitssymptome sind die gleichen wie bei einem banalen grippalen Infekt: Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen... Und während dieser Zeit ist der Patient ansteckend, ohne zu wissen, dass er infiziert ist.

Das bedeutet, dass wir alle, ohne uns krank zu fühlen, eventuell den Corona-Virus in uns tragen und ihn weitergeben.

Auch infizierte Kinder haben oft kaum Symptome, geben das Virus aber weiter.

Daraus ergibt sich eine einfache Konsequenz: Egal, ob wir uns krank fühlen oder nicht, wir sollten versuchen, nicht zur Infektionsquelle für andere zu werden.

Und das heißt ganz einfach, bleiben Sie zuhause, wenn Sie das Haus verlassen, halten Sie Abstand zu anderen, um sich und andere zu schützen. Benutzen Sie großzügig Einmaltaschentücher beim Husten und Niesen.

Wenn Sie grippale Symptome (Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen) haben, rufen Sie Ihren Hausarzt an, er wird entscheiden, ob eine klinische Untersuchung nötig ist, oder ob eine Krankschreibung und damit Isolation zu Hause ausreichend ist.

Gehen Sie mit grippalen Symptomen nicht ohne Termin zum Arzt und auch nicht ins Krankenhaus.

Über die eventuelle Notwendigkeit eines Tests diskutieren Sie mit Ihrem Hausarzt. Denken Sie daran, dass wir nicht innerhalb kürzester Zeit 80 Millionen Personen testen können.

Denken Sie auch daran, dass die Konsequenz eines eventuell positiven Tests die gleiche ist, wie wenn Sie nicht getestet sind, und sich aus eigener Verantwortung vorsorglich in Isolation in Ihre eigene Wohnung begeben.

Die Corona-Virusepidemie ist damit eine Herausforderung an uns alle, da wir jetzt mit verantwortungsvollem Verhalten für uns und für andere die Entwicklung der Epidemie maßgeblich beeinflussen können.

Kurz und praktisch:

Keine Panik

Krank oder nicht, bleiben Sie zu Hause

Keine unnötigen Treffen im privaten Kreis

Verzichten Sie auf unnötige Einkäufe, Restaurantbesuche, Friseurtermine

Bei Symptomen oder Fragen, rufen Sie Ihren Hausarzt an

Gehen Sie nicht ohne Termin zum Arzt oder ins Krankenhaus


Quelle: Tageszeitung DER PATRIOT