Esbecker Wehr mutiert zum Party-Hotspot

Bässe, Bier und blanke Nerven: Wehr bei Esbeck mutiert zum Party-Hotspot

nachgefragt Wehr mutiert zur „Zech-Zone“. Stadt: Partys dort sind illegal

Wummernde Bässe bis tief in die Nacht, Bierflaschen und barbusige Camperinnen, die sich am Morgen danach verkatert am Lippeufer die Zähne putzen: Es sind Szenen wie diese, die Anwohner und Angler auf die dort nur symbolisch wachsende Palme bringen. Denn: Die umgestaltete Wehranlage zwischen Esbeck und Hörste scheint sich insgeheim zum Party-Hotspot zu entwickeln. Sowohl für Einheimische, vor allem aber für Auswärtige.

Von Stefan Niggenaber

Esbeck/Hörste – Wer sich bei Sonne satt an die Schambrede verirrt, mag sich verdutzt die Augen reiben. Dann nämlich mutiert die löchrige Schotter-Piste zuweilen zum Touri-Highway für Lockdown-Geplagte und feierwütige Jungendliche. Bullis mit PB- und HX-Kennzeichen mit Surfbrettern auf den Dächern reihen sich an Fahrräder und Wohnmobile aus Dortmund. Am Ufer räkeln sich Jugendliche auf Picknickdecken, prosten sich zu, lachen, singen „Schalalalaaa..“– die Bierkästen und Schnapsflaschen zum Kühlen ins Wasser der Lippe gestellt.

„Manchmal ist hier richtig die Hölle los“, berichten Anwohner, die namentlich nicht genannt werden wollen, im Gespräch mit unserer Zeitung aber deutlich durchklingen lassen, dass die Musik – „gerade am Abend oder in der Nacht“ – oft bis nach Esbeck und Hörste zu hören sei. „Das nervt natürlich gewaltig!“ Und: Spätestens am nächsten Mittag sei das Partyvolk dann auch schon wieder verschwunden, der Müll aber bleibe. Und das Schlimme daran: Die Saison, soviel ist nach den ersten warmen Tagen im März wohl schon wieder gewiss, „geht mit dem warmen Wetter erst wieder richtig los“, befürchten die Anwohner.

Stadt-Sprecherin Julia Scharte versichert indes auf Nachfrage, dass die Situation vor Ort fortlaufend beobachtet werde. In den Sommermonaten erfolgten mehrmals wöchentlich Kontrollen, auch an den Wochenenden. „Bisher konnten dabei jedoch noch keine Trinkgelage in diesem Bereich festgestellt werden.“ Aufgrund der Berichte der Anwohner geht die Stadtverwaltung vielmehr davon aus, dass es sich um Ausnahmen handelt.

Aber: Wie an vielen Stellen der Lippe sei in jüngster Zeit auch dort eine stärkere Besucherfrequenz zu beobachten. Insgesamt halten sich dort demnach mehr Menschen auf als vor dem Umbau der Wehranlage. Der Umbau habe die Lippe in diesem Bereich nicht nur für Fische attraktiver gemacht, sondern auch für Wassersportler und Erholungssuchende.

Deshalb habe die Stadt auch Kontakt mit dem Kanuverband Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Auf seiner Webseite weise der Kanuverband darauf hin, dass im Bereich des ehemaligen Wehres 1 keine Einstiegstelle ist. Die Kanuten werden gebeten, oberhalb, etwa am Wehr 2 bei Hörste, einzusetzen und erst wieder in Lippstadt an der Ausstiegstelle am Finanzamt auszusteigen.

Zur Erinnerung: Im letzten Jahr war dort bereits ein Poller installiert worden, damit nicht mehr direkt bis ans Ufer gefahren werden kann, zudem ein absolutes Halteverbot im Kreisel vorm Wehr eingerichtet. Reichen diese Maßnahmen aus Sicht der Stadt oder sind dort vielleicht weitere Einschränkungen geplant? Julia Scharte: „In der Vergangenheit wurden einige Maßnahmen zur Beruhigung des Landschaftsraums durchgeführt. Dazu gehört auch, dass dort der Poller angebracht wurde und in Teilbereichen ein Halteverbot herrscht. Für die Zukunft ist vorgesehen, dort zusammen mit der Bezirksregierung ein Infoschild aufzustellen, um darauf hinzuweisen, dass der Bereich im Rahmen des Landschaftsplans 1 des Kreises als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Das bedeutet unter anderem, dass das Zelten oder Campen dort nicht erlaubt ist. Ebenso wenig ist das Parken von Fahrzeugen außerhalb von befestigten Flächen erlaubt. Mit diesen Hinweisen soll an die Vernunft der Menschen appelliert werden. Zunächst soll dann abgewartet werden, ob diese Infotafeln zu einer weiteren Beruhigung beitragen. Ist dies nicht der Fall, besteht noch die Möglichkeit, den Poller weiter nach Osten zu versetzen, um den Zugang für Fahrzeuge zu verhindern.“

Aber ist es eigentlich grundsätzlich legal, dort Party zu machen bzw. sich dort aufzuhalten? Und wenn ja, welche Regeln gelten dort? Scharte: Es sei nicht legal, dort Partys oder Trinkgelage durchzuführen. Dies ergebe sich schon aus dem Paragrafen 2 des Bundesnaturschutzgesetzes. Dieser lautet: „Jeder soll nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege beitragen und sich so verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden.“ Außerdem gelten die Regeln des Landschaftsplans 1. Danach ist es z.B. verboten, Motorfahrzeuge aller Art, Anhänger, Wohnwagen (..) außerhalb der befestigten Straßen, Fahrwege, Plätze (..) zu führen oder abzustellen. Darüber hinaus ist es selbstverständlich auch unzulässig, hier Abfälle etc. zu entsorgen bzw. liegen zu lassen. Allerdings ist der Aufenthalt dort, bei einem entsprechenden Verhalten, grundsätzlich möglich.

Der heimische Angelverein Lippstadt und Umgegend (ASV) verurteilt die ausufernden Trinkgelage derweil „aufs Schärfste“, wie Vorsitzender Klaus Laufkötter auf Patriot-Nachfrage erklärt. Oftmals gingen diese mit allerlei Hinterlassenschaften einher. Für die Angler zum einen ärgerlich (weil der Verein in Kooperation mit der Stadt immer wieder versuche, dem Müll mit Sammelaktionen Herr zu werden), zum anderen aber „auch gefährlich“, wie Laufkötter warnt. Flaschen wirkten am sommertags zuweilen knochentrockenen Lippeufer manchmal wie ein Brennglas – Flächenbrände nicht ausgeschlossen.

Der ASV gehe ausnahmslos jedem Hinweis nach und gebe diese auch an die entsprechenden Stellen weiter. „Unsere Fischereiaufseher patroullieren zudem ständig“, wobei offene Drohungen dabei mittlerweile schon an der Tagesordnung seien, weiß der ASV-Chef weiter zu berichten.

All das sei jedoch kein Phänomen, dass auf das Lippewehr bei Esbeck konzentirert sei. An vielen Stellen im Stadtgebiet beobachten die Angler solche Gelage, die leider sehr oft mit Alkohol einhergingen. Wobei Laufkötter neben der Stadt auch die Polizei lobt. „Wenn wir die mal dazurufen“, reagierten diese blitzschnell.



Stööößchen...: Das umgestaltete Lippewehr zwischen Esbeck und Hörste mutiert bei gutem Wetter immer wieder zum Party-Hotspot.
Fotos: Niggenaber / DER PATRIOT


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